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Plötzlich Hochzeit! Teil 1 der Hochzeitsserie

Eigentlich fotografiere ich keine Hochzeiten. Das war meine erste Aussage. Aber mich hat meine beste Freundin gefragt und ihr kann ich eigentlich so gut wie keinen Wunsch abschlagen. Dazu kam dann noch die Geschichte das der eigentliche Hochzeitsfotograf der fest gebucht war zwei Wochen vor dem Termin abgesagt hat. Warum kann ich nicht sagen, es war nur die Rede von einem Sonderpreis bei der Buchung. Es spielt aber für mich auch keine große Rolle. Die Bitte meiner besten Freundin und die Erzählung von einer traurigen Braut kurz vor ihrer Hochzeit hat dann doch gereicht das ich über meinen Schatten gesprungen bin und gesagt habe das ich es vielleicht tun würde. Was ist euch wohl klar. Man hat gefragt ob ich einspringen kann um zumindest ein paar Bilder von der Hochzeit zu haben. Ich kann den Wunsch absolut nachvollziehen und trotzdem brachen bei mir auch sofort Bedenken aus. Das ist auch einer der Gründe warum ich diesen Eintrag schreibe, ich möchte euch zum nachdenken anregen. Wollt ihr wirklich eine Hochzeit fotografieren? Es kann der wichtigste Tag eines anderen Menschen sein. Ein Tag an den er unbedingt Erinnerungen will und an dem nichts schief gehen darf. Seit nicht der Grund das die Erinnerungen getrübt wird oder etwas schief geht weil ihr euch übernommen habt oder im schlimmsten Fall das Geld gelockt hat. Denkt daran, ihr habt nur eine einzige Chance dies zu fotografieren. Bevor ich noch weiter auf meine Bedenken eingehe und euch aufliste was mir zu denken gegeben hat um euch eine Hilfe beim Abwegen zu geben, erzähle ich euch noch warum ich mich habe überzeugen lassen.

 

Der Grund ist ganz einfach, ich habe zum einen mit offenen Karten gespielt und klar gesagt das ich in dem Bereich Hochzeitsbegleitung keine Erfahrung habe und sie daher nichts erwarten sollen. Zum anderen hätte es wohl, wenn ich es nicht gemacht hätte, niemand gemacht. Oder zumindest niemand der zumindest meinen Kenntnisstand hat oder nicht zur Gesellschaft gehört. Das Brautpaar kann also nicht verlieren. Im besten Fall bekommen sie Bilder die ihnen gefallen und im schlimmsten Fall haben sie genauso viele Bilder wie ohne mich. Sie können also theoretisch nicht schlechter dastehen und das beruhigt mich etwas. Hier finde ich es nur fair und absolut wichtig das man mit offenen Karten spielt. Sagt nicht das ihr es hinbekommt wenn ihr es nicht garantieren könnt. Täuscht keine Erfahrung vor oder verschweigt etwas. Das wäre nicht Fair und schadet nur eurem Ruf und weckt falsche Erwartungen beim Brautpaar die am Ende enttäuscht werden könnten. 

 

Was ich auch noch sagen möchte, ich nehme dafür kein Geld. Natürlich wurde ich gefragt was ich dafür haben möchte und ich habe auch kurz überlegt. Natürlich hätten sie mich bezahlt, das Geld könnte ich wie vermutlich alle natürlich brauchen. Aber es fühlt sich nicht richtig an und ich nutze ihre Situation nicht aus. Daher habe ich mich zu der Aussage entschlossen: „Schaut euch am Ende die Bilder an und gebt mir dann, was ihr für Richtig haltet. Wenn euch die Bilder nicht gefallen oder ihr nicht zufrieden und glücklich seit dann bin ich euch nicht böse wenn ihr mir nur 10 Euro für das Benzin oder nichts gebt.“ Und zu dieser Aussage stehe ich auch. Besonders weil ich mich damit wohl fühle und nicht noch mehr Druck in meinem Kopf entsteht, den Preis entsprechend abliefern zu müssen. Ich bin Ihnen ja auch zu einem Teil dankbar das sie mir soweit vertrauen und ich diese Erfahrung sammeln darf. 

 

Nun aber endlich zu den versprochenen Bedenken damit ihr überlegen könnt ob sie bei euch zutreffen würden.

1. Es gibt nur eine Chance. Fehlende Erfahrung in diesem Bereich und kein zweiter Fotograf der für Bilder sorgt wenn es bei mir nicht klappt, wecken den Druck abliefern zu müssen. Ihr könnt die Ringe nicht noch einmal tauschen lassen. Es wird nur einen ersten Kuss als frisch verheiratetes Paar geben. Die Hochzeitstorte wird nur einmal angeschnitten und Tante Erna weint nur einmal beim Gratulieren. Und vermutlich kennt ihr auch nicht alle Abläufe einer Hochzeit und der anschließenden Feier so gut wie ein erfahrener Kollege.

 

2. Ich habe keine Zweite Kamera. Das ist normal kein Problem, wenn es wirklich einmal Probleme gibt dann lässt es sich irgendwie wieder ausbügeln und das Shooting ein zweites Mal machen. Doch was passiert, wenn ausgerechnet an diesem Tag die Kamera kaputt geht? Richtig. Dann kann ich nicht fotografieren und es nicht nachholen.

 

3. Die zweite Kamera die Zweite. Ich bin durch die Situation nur eine geeignete Kamera zu haben im Zweifel gezwungen die Objektive zu wechseln, wenn sich eine Situation unerwartet ändert. Das kann nicht nur störend während der Zeremonie sein sondern auch noch dafür sorgen das wichtige einmalige Momente fehlen oder einfach nicht gut eingefangen werden können.

 

4. Natürlich fehlen mir auch Objektive die ich mir für diese Aufgabe wünschen würde. Normal fotografiere ich einen, zwei oder auch einmal drei Menschen aber die Situationen kann ich steuern. Ich kann darauf achten das das Licht gut ist und im Zweifel darum bitten einen Moment zu warten bis ich die optimale Belichtung gefunden habe. Das geht hier nicht. IN der Kirche oder dem Standesamt kann es sehr dunkel sein so das lichtstarke Objektive sehr wichtig sind. Eine Kamera die mit hohen ISO-Werten sehr gut umgehen kann schadet auch nichts. Beides ist bei mir teilweise nur gegen. Natürlich habe ich auch Lichtstarke Objektive aber eben nicht in allen Brennweiten die ich mir wünschen würde. Und über ISO 800 gehe ich nicht gerne auch wenn meine Kamera sicher ISO 1600 oder sogar 3200 noch gut verarbeiten kann. Aber das genügt dann eben nicht mehr MEINEM eigentlich Qualitätsanspruch. 

 

5. Was passiert, wenn mir etwas passiert, ich mich also verletzte oder krank werde? Kann ich dann kurzfristig für Ersatz sorgen? Ist mein Netzwerk gut genug? Denn ich möchte niemanden in die Situation bringen auf einmal keinen Fotografen mehr zu haben nachdem ich fest zugesagt habe. So etwas finde ich absolut unverantwortlich und eine riesen Sauerei. Natürlich kann etwas passieren aber dann sollte man nicht nur absagen sondern auch den Arsch in der Hose haben und helfen. Selbst wenn man dadurch selber einen Verlust hat, denn man wusste vorher das man sich nicht auf Passbilder eingelassen hat. 

 

Denkt einmal darüber nach was euch noch Sorgen bereiten könnte und ob ihr es wirklich tun wollt. Seit kein Arsch und spielt wenn mit offenen Karten was euch angeht. Falsche Erwartungen sind nie gut und vor allem, macht es nicht fürs Geld. Nicht solange ihr nicht auch die Garantie geben könnt das es klappt und zu 100% eine Qualität abliefern könnt hinter der ihr auch voll steht und die die Erwartungen erfüllt. Natürlich kann man nun argumentieren das man ja erst einmal die Erfahrung sammeln muss und man nur so ja wirklich üben kann. Das sehe ich nicht so. Wenn ihr üben wollt dann macht es als zweiter Fotograf. Fotografiert bei der Hochzeit eines Freundes und sagt ihm das er sich ja einen erfahrenen Fotografen holen soll oder bittet einen erfahrenen Kollegen darum ihn begleiten zu dürfen. So macht er die wichtigen Bilder und nichts geht verloren während eure Bilder ein tolles Zubrot für das Brautpaar sind. 

 

Für was ihr euch aber auch entscheidet, mein Tipp zum Ende: Bereitet euch so gut ihr könnt auf diesen Tag vor. Wie ich das gemacht habe, welche Gedanken ich mir zur Technik gemacht habe und wie ich in die Planung gegangen bin erzähl ich euch im zweiten Teil meiner kurzen Hochzeitsserie. In diesem wird es dann um das Vorgespräch mit dem Brautpaar gehen und was mir hierbei Wichtig war. 

 

 

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